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Die neue Škoda-API: Was sie liefert – und was nicht

7 Min. Lesezeit

Škoda hat erstmals eine öffentliche Schnittstelle für Privatnutzer freigeschaltet. Wir haben ausprobiert, was sie kann, wo ihre Grenzen liegen und wie zuverlässig sich damit Ladevorgänge erfassen lassen – mit Messwerten von einem echten Enyaq.

Kurz gesagt

Die öffentliche Škoda-Schnittstelle liefert unter anderem Kilometerstand, Ladestand, Ladezustand sowie die aktuelle Ladeleistung und erkennt, ob mit AC oder DC geladen wird.

Was fehlt: eine Ladehistorie und die tatsächlich geladenen Kilowattstunden.

Die Schnittstelle erlaubt 20 Abfragen pro Schlüssel und Stunde. Von neun Endpunkten dient nur einer zum Auslesen von Fahrzeugdaten, die übrigen acht steuern Funktionen des Autos.

Die geladene Energiemenge lässt sich deshalb nur schätzen. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten: über Ladeleistung und Ladedauer oder über die Veränderung des Ladestands.

Unsere Messungen an einem Enyaq zeigen einen deutlichen Unterschied: Die Berechnung über Leistung und Zeit lag beim Laden mit rund 2,2 kW relativ konstant etwa zehn Prozent unter dem Stromzähler. Eine Berechnung über den Ladestand schwankte bei einzelnen Ladevorgängen dagegen zwischen 19 Prozent zu wenig und 64 Prozent zu viel.

Škoda öffnet den Fahrzeugzugang

Seit August 2026 bietet Škoda eine öffentliche Schnittstelle an, für die kein Entwicklervertrag notwendig ist.

In der MyŠkoda-App ab Version 8.16 kannst du unter Profil → „Smart Home“ einen eigenen Zugangsschlüssel für dein Fahrzeug erstellen. Der Schlüssel ist kostenlos und kann jederzeit wieder widerrufen werden.

Damit können Anwendungen wie Kilonaut Fahrzeugdaten abrufen, ohne dass du ihnen die Zugangsdaten deines Škoda-Accounts geben musst.

Das ist der eigentliche Fortschritt. Gleichzeitig liefert die Schnittstelle deutlich weniger Daten, als man bei einer vollständigen Auto-Anbindung vielleicht erwarten würde.

Was die Schnittstelle liefert

Der Endpunkt zum Auslesen der Fahrzeugdaten liefert – abhängig vom angefragten Umfang – unter anderem:

  • Kilometerstand inklusive Zeitstempel der Messung im Fahrzeug
  • Ladestand in ganzen Prozent
  • Ladezustand: lädt, bereit zum Laden oder kein Kabel angeschlossen
  • aktuelle Ladeleistung in Kilowatt, auf 0,5 kW gerundet und nur während des Ladens
  • Ladeverfahren AC oder DC, ebenfalls nur während des Ladens
  • Restreichweite
  • voraussichtliche Uhrzeit, zu der die Batterie vollständig geladen ist
  • Parkposition mit Koordinaten, sofern die entsprechende Remote-Access-Berechtigung vorhanden ist

Von den neun Endpunkten der Schnittstelle liest nur einer Fahrzeugdaten aus.

Die übrigen acht dienen der Fahrzeugsteuerung – beispielsweise zum Starten der Klimatisierung, Starten oder Stoppen eines Ladevorgangs, Verriegeln des Fahrzeugs oder Ändern des Ladelimits.

Wer lediglich Fahrzeug- und Ladedaten erfassen möchte, benötigt diese Funktionen nicht.

20 Abfragen pro Stunde

Das Abfragelimit liegt bei 20 Anfragen pro Zugangsschlüssel und Stunde. Wie viele Abfragen noch verfügbar sind, wird in den Antworten der Schnittstelle mitgeliefert.

Wer alle drei Minuten abfragt, erreicht bereits exakt 20 Anfragen pro Stunde und hat keinerlei Reserve.

Eine Abfrage alle fünf Minuten benötigt zwölf Anfragen pro Stunde und lässt entsprechend Spielraum.

Was die Schnittstelle nicht liefert – und warum das wichtig ist

Die öffentliche Schnittstelle enthält keine Ladehistorie. Es gibt also keinen Datensatz nach dem Muster „Diese Ladung: 34,2 kWh“.

Auch eine Liste vergangener Ladevorgänge oder die tatsächlich geladene Energiemenge in Kilowattstunden wird nicht bereitgestellt.

Stattdessen beschreibt die Schnittstelle immer nur den aktuellen Zustand des Fahrzeugs.

Wer einen vollständigen Ladevorgang erfassen möchte, muss deshalb während des Ladens regelmäßig Momentaufnahmen abrufen und daraus selbst erkennen, wann die Ladung begonnen und geendet hat.

Auch Kosten werden nicht übertragen – weder für das Laden zuhause noch für öffentliche Ladevorgänge.

Und vergangene Ladungen lassen sich nicht nachträglich abrufen. Verbindest du dein Fahrzeug heute, können erst Ladevorgänge ab diesem Zeitpunkt erkannt werden.

Wie genau lässt sich die Energiemenge schätzen?

Wenn Škoda keine Kilowattstunden übermittelt, stellt sich die naheliegende Frage: Kann man sie aus den vorhandenen Daten berechnen? Dafür bieten sich zwei Methoden an.

Wir haben beide mit einem Enyaq iV getestet und mit den Messwerten eines Wallbox-Stromzählers mit Minutenauflösung verglichen. Gemessen wurden drei getrennte Ladevorgänge an einem Tag mit einer Ladeleistung von rund 2,2 kW.

Methode 1: Berechnung über den Ladestand

Die einfachste Rechnung lautet:

Veränderung des Ladestands × nutzbare Akkukapazität

Über den gesamten Testtag funktionierte das überraschend gut: 13,3 kWh berechnet gegen 12,7 kWh gemessen. Das entspricht einer Abweichung von rund fünf Prozent.

Bei den einzelnen Ladevorgängen sah das allerdings ganz anders aus. Die Abweichungen betrugen:

  • 9 % zu wenig
  • 19 % zu wenig
  • 64 % zu viel

Der Grund dafür: Der angezeigte Ladestand ist selbst eine Schätzung der Batterieelektronik und kein Energiezähler.

Er wird während des Betriebs immer wieder neu bewertet und korrigiert. Über einen längeren Zeitraum können sich diese Abweichungen gegenseitig ausgleichen. Bei einer einzelnen Ladung funktioniert das nicht zuverlässig.

Für die Erfassung einzelner Ladevorgänge ist der Ladestand deshalb keine gute Grundlage.

Methode 2: Ladeleistung × Zeit

Die zweite Möglichkeit ist, die während des Ladevorgangs gemeldete Ladeleistung über die Zeit aufzusummieren. Bei denselben drei Ladungen lagen die Ergebnisse:

  • 10,5 % zu niedrig
  • 10,2 % zu niedrig
  • 11,7 % zu niedrig

Damit war diese Methode in unserem Test nicht perfekt – aber vor allem eines: vorhersehbar.

Statt stark zu schwanken, lag die Schätzung jedes Mal in einer ähnlichen Größenordnung unter dem tatsächlich gemessenen Wert.

Warum fehlen rund zehn Prozent?

Die Abweichung lässt sich durch die Auflösung der von Škoda gemeldeten Ladeleistung erklären. Das Fahrzeug übermittelt die Leistung nur in Schritten von 0,5 kW. Aus tatsächlich etwa 2,217 kW werden dadurch beispielsweise 2,0 kW.

In unseren Messdaten lässt sich die Rundungsgrenze sogar beobachten: Als der Stromzähler kurz 2.250,6 Watt anzeigte – also knapp über 2,25 kW – wechselte der vom Fahrzeug gemeldete Wert von 2,0 auf 2,5 kW.

Die maximale Rundungsabweichung beträgt damit ungefähr ±0,25 kW. Wie stark sich das prozentual auswirkt, hängt von der Ladeleistung ab: Bei rund 2,2 kW können etwa 11 % Abweichung entstehen, bei 11 kW sind es nur noch ungefähr 2 %.

Ein pauschaler Korrekturfaktor von beispielsweise zehn Prozent wäre deshalb keine gute Lösung. Er würde unseren Test an der Haushaltssteckdose verbessern, bei einer 11-kW-Wallbox aber neue Fehler erzeugen.

Wie schnell erkennt die Schnittstelle Veränderungen?

Erstaunlich schnell. Bei sechs beobachteten Zustandswechseln an einem Tag reagierten die Fahrzeugdaten zwischen 7 und 29 Sekunden später als der Stromzähler an der Wallbox.

Beginn und Ende eines Ladevorgangs lassen sich über die Schnittstelle damit grundsätzlich sehr zuverlässig erkennen.

Die größere Einschränkung entsteht in der Praxis durch das Abfragelimit. Wenn eine Anwendung nur alle fünf Minuten nach dem Fahrzeugstatus fragt, kann sie den tatsächlichen Ladebeginn entsprechend nur innerhalb dieses Zeitfensters bestimmen.

Wenn du die echte Ladehistorie brauchst

Interessanterweise existiert eine detailliertere Ladehistorie durchaus – sie ist nur nicht Bestandteil der neuen öffentlichen Schnittstelle.

Die MyŠkoda-App kann auf eine Ladehistorie mit Kilowattstunden aus der Infrastruktur des Volkswagen-Konzerns zugreifen. Dieser Zugang läuft über den persönlichen MyŠkoda-Login und gehört nicht zur öffentlichen Smart-Home-Schnittstelle.

Projekte wie die freie Home-Assistant-Integration „myskoda“ können diese Daten mit den Zugangsdaten des Fahrzeughalters auf dessen eigenem System abrufen. Wer Home Assistant ohnehin betreibt, kann darüber deshalb derzeit mehr Ladedaten erhalten als über die neue öffentliche Schnittstelle.

Noch besser ist eine Wallbox mit eigenem Energiezähler. Wo tatsächlich gemessene Kilowattstunden vorhanden sind, sind sie jeder Hochrechnung aus Fahrzeugdaten vorzuziehen.

Ihre eigentliche Stärke spielt die Škoda-Schnittstelle deshalb dort aus, wo die heimische Wallbox nichts mehr sieht: beim Laden unterwegs.

Lohnt sich die Škoda-Schnittstelle?

Für den Kilometerstand: eindeutig ja. Er kommt direkt aus dem Fahrzeug und muss nicht mehr manuell eingetragen werden. Damit lassen sich beispielsweise Kosten pro 100 Kilometer und der tatsächliche Verbrauch über längere Zeiträume berechnen.

Für die automatische Ladeerfassung ohne Wallbox-Messung: ebenfalls ja – mit Einschränkungen. Eine automatisch erkannte Ladung mit klar als Schätzung gekennzeichneter Energiemenge ist häufig hilfreicher als ein komplett fehlender Ladevorgang.

Für eine exakte Kostenabrechnung ohne weitere Datenquelle: nein. Dafür fehlen sowohl die tatsächlich geladenen Kilowattstunden als auch die Kosten des Ladevorgangs.

So nutzt Kilonaut die Škoda-Schnittstelle

Kilonaut übernimmt den Kilometerstand direkt aus dem Fahrzeug und erkennt automatisch, wenn dein Škoda geladen wird.

Da Škoda keine tatsächlich geladene Energiemenge übermittelt, berechnet Kilonaut sie aus Ladeleistung und Ladedauer und kennzeichnet sie im Posteingang als Schätzung.

Kommt für denselben Ladevorgang zusätzlich eine Messung deiner Wallbox oder ein Ladebeleg hinzu, verwendet Kilonaut automatisch die genaueren Daten. Manuell von dir eingetragene Ladevorgänge werden dabei niemals überschrieben.

So ergänzt die Fahrzeugverbindung bestehende Datenquellen, statt sie zu ersetzen.

Škoda in Kilonaut verbinden – Schritt für Schritt

Häufige Fragen

Liefert die Škoda-API die geladenen Kilowattstunden?

Nein. Die öffentliche Schnittstelle liefert unter anderem den Ladestand und die aktuelle Ladeleistung, aber keine tatsächlich geladene Energiemenge und keine Ladehistorie. Die Energiemenge eines Ladevorgangs kann deshalb nur geschätzt werden.

Was kostet der Zugang?

Nichts. Den Zugangsschlüssel kannst du in der MyŠkoda-App ab Version 8.16 unter Profil → „Smart Home“ erstellen. Er gilt für das ausgewählte Fahrzeug und kann jederzeit wieder widerrufen werden.

Wie oft darf ich die Škoda-API abfragen?

Bis zu 20 Mal pro Zugangsschlüssel und Stunde. Eine Abfrage alle fünf Minuten entspricht zwölf Anfragen pro Stunde und lässt damit ausreichend Reserve.

Kann ich damit mein Auto steuern?

Ja. Acht der neun Endpunkte dienen der Fahrzeugsteuerung, beispielsweise für Klimatisierung, Laden, Verriegelung und Ladelimit. Für die Lade- und Kostenaufzeichnung in Kilonaut werden diese Funktionen nicht benötigt.

Wie genau ist eine aus der API geschätzte Ladung?

Das hängt von der Ladeleistung ab. In unserem Test mit einem Enyaq und rund 2,2 kW Ladeleistung lag die aus Leistung und Zeit berechnete Energiemenge etwa zehn Prozent unter dem Wert des Stromzählers. Ein wesentlicher Grund ist, dass Škoda die Ladeleistung nur in Schritten von 0,5 kW übermittelt. Bei niedrigen Ladeleistungen wirkt sich diese Rundung prozentual stärker aus. Bei 11 kW entspricht eine Rundung um 0,25 kW beispielsweise nur noch etwa zwei Prozent.