Stromverbrauch richtig messen
Warum der Bordcomputer weniger anzeigt als die Wallbox abrechnet, wie du deinen echten Verbrauch in kWh/100 km ermittelst und welcher Wert für welche Frage der richtige ist.
Nimm die geladenen Kilowattstunden vom Zähler oder Beleg, teile sie durch die gefahrenen Kilometer und multipliziere mit 100. Der Bordcomputer zeigt 5 bis 15 Prozent weniger an, weil er die Energie aus der Batterie misst statt der aus dem Netz — bezahlt wird aber die aus dem Netz. Vier Wochen sind das Minimum für einen belastbaren Wert, ein Jahr die einzige Zahl, mit der sich planen lässt.
Fast jedes E-Auto zeigt einen Verbrauch in kWh/100 km an. Diese Zahl ist fast immer zu niedrig — nicht weil der Hersteller schummelt, sondern weil sie etwas anderes misst als das, was du bezahlst.
Zwei Verbräuche, zwei Zwecke
Der Bordcomputer misst, was die Batterie an den Antrieb abgibt. Der Zähler in der Wallbox misst, was aus dem Netz kommt. Dazwischen liegen die Ladeverluste: Wärme im Ladegerät, im Kabel und in der Batterie selbst.
| Messpunkt | Was er misst | Wofür er taugt |
|---|---|---|
| Bordcomputer | Energie aus der Batterie | Fahrstil und Reichweite beurteilen |
| Wallbox / Ladebeleg | Energie aus dem Netz | Kosten rechnen |
| Hausstromzähler | Alles inklusive Standby | Genaue Jahresabrechnung |
Für die Kostenrechnung ist immer der zweite Wert der richtige. Der Unterschied liegt je nach Ladeleistung, Temperatur und Fahrzeug typischerweise zwischen 5 und 15 Prozent — im Winter am oberen Ende, weil die Batterie vorgewärmt wird.
So ermittelst du den echten Verbrauch
- 1 Kilometerstand notieren und ab da jede Ladung erfassen — Datum, Energie in kWh, Kosten.
- 2 Mindestens vier Wochen laufen lassen. Kürzere Zeiträume sind vom Ladestand am Anfang und Ende zu stark verzerrt.
- 3 Am Ende erneut den Kilometerstand notieren.
- 4 Rechnen: Summe der geladenen kWh ÷ gefahrene Kilometer × 100.
Der Ladestand am Anfang und am Ende des Zeitraums sollte ungefähr gleich sein. Wer mit vollem Akku startet und mit leerem endet, rechnet Energie in den Verbrauch, die noch im Auto steckt — oder eben umgekehrt.
Was den Verbrauch tatsächlich bewegt
- Temperatur. Zwischen einem milden Herbst und einem Frost-Januar liegen oft 4 bis 6 kWh/100 km — Heizung und kalte Batterie zusammen.
- Geschwindigkeit. Der Luftwiderstand wächst quadratisch. Der Unterschied zwischen 120 und 150 km/h auf der Autobahn ist erheblich größer als der zwischen 80 und 100.
- Kurzstrecke. Jede Fahrt beginnt mit dem Aufheizen des Innenraums. Viele kurze Fahrten verbrauchen pro Kilometer deutlich mehr als eine lange.
- Zuladung und Dachträger. Ein Dachbox-Sommer schlägt spürbar durch.
Genau deshalb ist ein Monatswert aussagekräftiger als eine Einzelfahrt — und ein Jahreswert aussagekräftiger als ein Monat. Wer die Zahlen über mehrere Monate nebeneinander sieht, erkennt den Winteraufschlag sofort und muss ihn nicht schätzen.
Verbrauch und Kosten zusammen betrachten
Verbrauch allein ist eine technische Größe. Interessant wird sie zusammen mit dem Preis: 20 kWh/100 km zu Hause geladen kosten weniger als 15 kWh/100 km am Schnelllader. Wer beides getrennt betrachtet, optimiert am falschen Ende.
Kilonaut führt beide Zahlen zusammen: aus den erfassten Ladungen und den Kilometerständen entstehen Verbrauch in kWh/100 km und Kosten pro 100 km nebeneinander, aufgeteilt nach Heim- und öffentlichem Laden.
Verbrauch automatisch mitrechnen lassenHäufige Fragen
Warum zeigt mein Auto weniger Verbrauch an als die Wallbox?
Der Bordcomputer misst die Energie, die aus der Batterie an den Antrieb geht. Die Wallbox misst die Energie aus dem Netz, inklusive der Verluste beim Laden. Die Differenz liegt typischerweise bei 5 bis 15 Prozent.
Welcher Wert gehört in die Kostenrechnung?
Immer der von der Wallbox oder vom Ladebeleg. Bezahlt wird die Energie aus dem Netz, nicht die in der Batterie.
Wie lange muss ich messen, um einen belastbaren Wert zu bekommen?
Vier Wochen sind das Minimum, drei Monate sind besser. Und weil Temperatur so stark durchschlägt, ist ein Jahreswert die einzige Zahl, mit der man wirklich planen kann.